Deutschlandpremiere: Am 15. März feiern wir die fulminante Neuentdeckung eines der international erfolgreichsten Maler Österreichs – Wolfgang Hollegha (1929-2023). Bereits um 1960 feierte er große Erfolge in New York. Clement Greenberg, einer der einflussreichsten US-amerikanischen Kunstkritiker, sah Hollegha auf Augenhöhe mit den Protagonist:innen des Abstrakten Expressionismus. Er stellte in den USA an der Seite von Helen Frankenthaler, Morris Louis oder Kenneth Noland aus. Der jüngste österreichische Preisträger des Guggenheim Awards und Teilnehmer an der documenta III entschied sich trotz dieser internationalen Anerkennung gegen eine Karriere in den Kunstmetropolen: Hollegha erwarb 1962 einen Bauernhof aus dem 17. Jahrhundert am Rechberg nördlich von Graz und baute sich dort ein Atelier ganz nach seinen Vorstellungen. In dieser Abgeschiedenheit entwickelte er über sechs Jahrzehnte sein farbenprächtiges, oft monumentales Werk, das ab März im Museum Reinhard Ernst zu entdecken ist. Die Sammlung Reinhard Ernst ermöglicht auch eine berührende Wiederbegegnung mit Holleghas Weggefährt:innen.
1957 schrieb Wiesbaden Kunstgeschichte: Unter dem Titel Couleur vivante – Lebendige Farbe fand die erste wegweisende Ausstellung abstrakter französischer und deutscher Malerei in Deutschland im städtischen Museum statt. Diese große museale Präsentation informeller Malerei vereinte 16 künstlerische Positionen, je acht aus Frankreich und Deutschland. Die Schau setzte im Nachkriegsdeutschland ein avantgardistisches und mutiges Zeichen und positionierte Wiesbaden als bedeutenden Ort für Gegenwartskunst.
2026/2027 blickt das mre zurück und zugleich nach vorn: Das Beispiel Couleur vivante zeigt, wie persönliches Engagement und grenzübergreifende Zusammenarbeit tief verankerte Ressentiments überwinden können. Die bemerkenswert rasche Aussöhnung zwischen Deutschland und Frankreich nach dem Zweiten Weltkrieg ermutigt, aus der gemeinsamen Geschichte Kraft für kommende Herausforderungen und Inspiration für ein lebendiges Miteinander zu schöpfen.
Judit Reigl. Couleur vivante findet statt im Rahmen der Kooperation des Museums Reinhard Ernst, des Museums Wiesbaden – Hessisches Landesmuseum für Kunst und Natur und des Nassauischen Kunstvereins Wiesbaden.
Am 25. Januar dreht sich bei uns alles um die amerikanische Malerin Helen Frankenthaler! Es erwartet Sie ein Vortrag zu Frankenthalers Reisen, Führungen durch die Ausstellung, ein ganztägiger Workshop mit unserem engagierten Team der Kunstvermittlung und die ARTE Dokumentation Malen ohne Regeln sowie der 3sat Museums-Check im Maki-Forum.
23.1.26: Entdecken Sie mit fachkundiger Begleitung die Highlights unserer aktuellen Sonderausstellung Helen Frankenthaler moves sowie der Sammlungspräsentation Farbe ist Alles!
28.1.26: Komplizierte Welt, überall Krisen, die Gedanken schwirren? Kommt vorbei, tankt auf und findet Antworten. Hier lernen Jugendliche gemeinsam, wie mutige Künstler:innen ihren Weg gefunden haben.
Die Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung wurde 2004 in Wiesbaden gegründet und fördert Werte im Sinne des Stifterpaares. Diese Werte spiegeln sich in Kunst und Kultur sowie an Orten des Zusammenlebens und des Lernens wider. Die Gründer der Stiftung wollen ihre Zuwendungen, ihr Engagement und ihre Netzwerke möglichst effektiv für die Gemeinschaft einsetzen. Diese Gedanken verwirklicht die Stiftung in ausschließlich eigenen Projekten. Beispiele sind das Haus der Hoffnung im japanischen Natori, das für viele Kinder und alte Menschen nach der Tsunami-Katastrophe 2011 zur Begegnungsstätte wurde, und das Musikschulhaus in Eppstein. Unter den denkmalgeschützten Gebäuden zeigt u.a. der Walderdorffer Hof in Limburg an der Lahn, worauf es den Stiftern ankommt.